Kloß im Hals - Ursachen und Behandlung
Geschrieben von: Prof. Dr. med. Hajo Schneck / Renate Bruckmann
Kloßgefühl – das Gefühl, etwas im Hals zu haben
Das Gefühl "Kloß im Hals" kann sehr belasten, ebenso Schluckbeschwerden sowie Halsschmerzen ohne Befund. Halsbeschwerden machen allein 2,7% der Beratungsanlässe in deutschen Hausarztpraxen aus (DEGAM, 2021, S. 26). Das ist auch Teil eines sehr breiten und für Hausarztpraxen nicht unproblematischen Leistungsspektrums (Laug, 2010, S. 15). "Obwohl bakterielle Ursachen bei Halsschmerzen eher selten sind, werden bei über 60 % der Halsschmerzpatienten Antibiotika verschrieben" (DEGAM, 2021, S. 10). Aber nicht nur die diagnostische Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen Ursachen ist problematisch. Wenn die Beschwerden chronisch werden, können sie die Lebensqualität stark einschränken. Längst nicht alle Beschwerden sind ausschließlich organisch bedingt (z. B. Reflux, Schilddrüse, bei Struma ...), sondern können durch Verspannungen und Überlastungen entstehen. In der Medizin bezeichnet man anhaltende Schmerzen, die durch Verspannungen und Überlastung bedingt sind, auch als Myofasziales Schmerzsyndrom (vgl. Shah, 2008 und Treaster, 2006). Die myofaszialen Auswirkungen auf das "Kloßgefühl" stehen in der Forschung noch am Anfang, werden aber zunehmend beachtet und registriert (vgl. Bordoni, 2019; Bordoni, 2017; Patel, 2020; Schabrun, 2018).
Was bedeutet ein Kloß im Hals?
Die Begriffe „Kloß im Hals“, „Globussyndrom“, „Globus pharyngis“ oder „Globusgefühl“ stehen für das gleiche Phänomen: Ein Fremdkörper-, Druck- oder Engegefühl im Hals, das nicht mehr verschwindet und die Lebensqualität einschränkt.
Es ist wichtig, ärztliche Diagnostik in Anspruch zu nehmen, um organische Erkrankungen wie Reflux oder Schilddrüsenerkrankungen auszuschließen. Ist zum Beispiel ein Reflux (aufsteigende Magensäure) der Grund für die Beschwerden, hilft ein Säureblocker. Ist die Magensäure dagegen nicht der Grund, hilft auch kein Säureblocker. Fast jeder Dritte (28%), der ärztlich untersucht wird, bleibt ohne medizinische Diagnose (vgl. Bublak, 2018).
Wenn die ärztliche Diagnostik keinen organischen Befund ergeben hat, ist es Zeit zu überprüfen, ob verspannte Muskeln und Faszien der Grund für die Beschwerden sind.
Weitere Beschwerden bei Kloß im Hals
Die vom Globussyndrom Betroffenen beginnen oft automatisch mit einem ständigen Räuspern oder Hüsteln, um die Missempfindung loszuwerden, was aber das Problem nicht löst. Myofaszial bedingte Beschwerden im Hals- und Nackenbereich können sich äußern als:
Kloß im Hals (Globussyndrom)
Druck- und Engegefühl
im Hals lokalisierte Übelkeit
Halsschmerzen ohne Befund
Kehlkopfschmerzen
Stimmstörungen
Schluckstörungen
Reizhusten
Atemstörungen
Nackenbeschwerden (inkl. Tinnitus und Schwindel)
Kieferbeschwerden
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) – Zahnschmerzen ohne Befund
Ohrgeräusche
Kopfschmerzen
Wenn Beschwerden im Hals, Nacken oder Kopf bestehen und eine organische Ursache durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen ist, kann man erleben, dass eine Lockerung der Muskeln auch die Beschwerden mindern und die Funktionen verbessern.
Das Wichtigste ist, die Halsmuskeln zu entlasten und den Körper zu entspannen (Fleischer S. et.al., 2017, 36ff.).
Globusgefühl im Hals psychisch oder muskulär?
Hat man fortwährend Spannung in der Muskulatur und der Kloß verschwindet nicht mehr, führt das zu Besorgnis und Angst. Auf diese Weise können auch Stress und Sorgen einen Kloß im Hals sowie andere Halsbeschwerden verursachen. Umgekehrt ist es aber auch richtig: Durch das Globusgefühl entstehen überhaupt erst Angst und Sorgen, vor allem, wenn man die Ursache nicht kennt und die Lebensqualität eingeschränkt wird. Denn ein ständiges Globusgefühl kann den stabilsten Menschen „verrückt“ machen. Das nennt man dann einen Teufelskreis. Für die Medizin bleibt dann „nur“ die nicht unproblematische Erkenntnis von psychischen Faktoren als Auslöser und das bei fast jedem dritten Patienten (vgl. Bublak, 2018).
Wichtig zu wissen:
Ein Globusgefühl bildet man sich nicht ein.
Ein körperlicher Befund ist in der Regel in der Muskulatur und den Faszien zu finden, wenn der HNO-Arzt keinen organischen gestellt hat.
Je mehr man dran denkt, umso mehr spürt man es. Je mehr man es spürt, desto mehr denkt man dran.
Das ist normal und wird weniger, wenn man verstanden hat, woran es liegt.
Meist erledigt sich die seelische Belastung von ganz allein, sobald die Muskulatur gelockert und der Kloß gebessert ist.
Kloß im Hals? - Das Buch
Pohltherapeuten Renate Bruckmann und Tilo Mörgen haben mit dem Buch „Kloß im Hals“ einen Ratgeber für Betroffene entworfen, der nicht nur leicht verständlich über die möglichen Hintergründe zahlreicher Beschwerden informiert, sondern auch mit einfachen Übungen und Selbstbehandlungsmöglichkeiten Abhilfe bringen kann.
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