Der Bohmsche Dialog ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Lösung von Problemen und Konflikten. Es geht darum, in einen gemeinsamen Such- und Findungsprozess zu gelangen. Dafür gibt es Prinzipien, welche die Chance auf ein Gelingen erhöhen.
In diesem Video geht Alexander nicht auf die Prinzipien ein, sondern erläutert das Vorgehen bei der Durchführung eines Bohmschen Dialogs.
Dieses Video richtet sich also an Experten, welche die Prinzipien bereits aus anderen Kontexten kennen und die den Bohmschen Dialog als Methode zu ihrem Werkzeugkoffer hinzufügen wollen.
Fragen zur Präsentation und Antworten
Frage: Wie sind deine Erfahrungen mit dem Thema Hierarchie und Bohmscher Dialog? Was passiert, wenn Hierarchie mit im Raum ist?
Antwort: Es braucht etwas Zeit. Das Format ist ungewohnt, alle Beteiligten brauchen Zeit, um rein kommen. Die Teilgebenden erleben den Dialog meist vor allem als sehr entschleunigend. Wenn man dann drin ist, funktioniert es sehr gut, auch mit Hierarchie im Raum.
Frage: Wie gehst du mit Typen um, die zum Monologisieren neigen?
Antwort: Ich erinnere dann an die Regel: Sprich vom Herzen und fass dich kurz. Streng genommen darf ich das nicht, aber in ungeübten Gruppen ist es einfach hilfreich. Zumal wir im organisationalen Kontext häufig zeitlich begrenzt sind. Es kann vorkommen, dass in einer Gruppe mit 20 Leuten jeder halt nur 30 Sekunden Zeit für einen Beitrag hat. Das klären wir natürlich am Anfang und dann klappt es auch. Eine Gruppe, die im Bohmschen Dialog geübt ist, braucht dann keinen Moderator mehr. So ist die Methode vom Bohm auch gedacht.
Frage: Wie holst du die Selbstverpflichtung der Teilnehmenden ein?
Antwort: Meist stelle ich die Methode erst vor und dann sprechen wir über die Prinzipien und die Regeln. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich alle einig sind, lasse ich die Gruppe aufstehen und frage, ob alle bereit sind, sich an die besprochenen Regeln zu halten. Wer das nicht möchte soll sich hinsetzen. Wenn sich jemand nicht an die gemeinsame Vereinbarung halten möchte und sich hinsetzt, sprechen wir darüber und finden eine Lösung.
Frage: Wie ist es in Gruppen, in denen starke Konflikte vorherrschen? Wie kriege ich es hin, dass die ehrlich miteinander reden? Ich denke an einen Fall, in dem ein Team aus zwei Gruppen besteht. Die älteren Mitarbeiter, die alte, sichere Verträge haben und ihre Arbeit eher gelassen angehen und die jungen Mitarbeiter, die schlechter vergütet sind, Zeitverträge haben und unter einem ganz anderen Druck stehen.
Antwort: Das hängt jetzt davon ab, was dein Auftrag ist. Die Ursache des Problems löst du mit einem Dialog natürlich nicht auf Anhieb. Wenn es aber beispielsweise darum geht, Feedbackkultur einzuführen und mal eine Feedbackrunde zu machen, dann eignet sich die Methode hervorragend.
Frage: Du hast gesagt, man kann das auch ohne Ziel machen. Welche Erfahrungen hast du da gemacht?
Antwort: So ist der Dialog vom Bohm ja eigentlich gedacht. Die Dialoge ohne Ziel und Thema sind meiner Erfahrung nach auch die Besten. Wenn die Beteiligten bereit sind, sich einzulassen und sich zu öffnen, zeigen sich die wichtigen Themen ganz von alleine. Bei einem guten Dialog kommt die Gruppe ins Fliegen. Ich kann es gar nicht anders beschreiben. Es ist ein harmonisches Geben und Nehmen. Jeder gibt seine eigenen Themen in den Kreis und beteiligt sich außerdem an den gemeinsamen Themen der Gruppe. Mit jeder Runde, mit jeder weiteren Perspektive, schraubt sich die Gruppe immer höher. Jetzt komme ich ins Schwärmen. Am Ende des Dialogs sind alle Beteiligten auf einem völlig neuen Niveau, was die Sicht auf ihr persönliches Thema angeht. Und auch die Gruppe als Ganzes hat sich weiter entwickelt und ihre geteilten Themen auf ein neues Level gehoben. Wenn es gut läuft ist es eine transzendente, für alle Beteiligten sehr wertvolle, Erfahrung. Das berührt und fasziniert mich jedes Mal wieder aufs Neue.
Beitrag: Der Dialog nach Bohm erinnert mich an die Methode Conversation Café. Da liegt der Schlüssel auch im Token, also dem Redestab oder einem anderen Redeobjekt. Bei der Methode gibt es ein strikt definiertes Design, mit einem harten time-boxing. Jede Runde geht eine Minute, es gibt vier Runden, die auf einander aufbauen. Ich habe das zwei Mal gemacht, mit ganz guten Ergebnissen. Das hat das Potenzial, ganz gute Effekte zu erzielen. Was meinst du?
Antwort: Das Conversation Café ist dem Dialog nach David Bohm ähnlich. Die Methode ist gut, sehr standardisiert. Was ich Prinzipien genannt habe, nennt man dort Regeln und was ich Regeln genannt habe, ist dort eine Schritt-für-Schritt Anleitung.
Für diese Präsentation habe ich den Bohmschen Dialog verdichtet und auch etwas in unsere Sprache übersetzt, damit es in 6 Minuten passt und damit ihr das Format als einfache Methode für euch mitnehmen könnt. Die Methode soll einen einfachen Rahmen für lebendige Begegnung bieten.
Информация по комментариям в разработке