Hier war 'ne Menge los - und nichts ist übrig..
Im östlichen Teil des Weinviertels, in dem wir uns hier befinden, spielt der 'Wein' nicht mehr die absolut erste Geige, dafür aber die 'allgemeine' Landwirtschaft und insbesondere das Getreide. Fast an jedem Bahnhof sah man ein weithin erkennbares Hochsilo, von den Hügeln konnte man den Verlauf einer Strecke allein schon daran nachvollziehen.
Vom Getreide im Besonderen und der Landwirtschaft im Allgemeinen lebten die Bahnen im östlichen Weinviertel jahrelang auskömmlich, und man erkennt keinen Grund, wieso das nicht so weitergehen konnte. Dennoch machte der internationale 'Run' auf die Straße auch hier dem Güterverkehr den Garaus - ökologischen Transport muß man eben auch wollen.. Oft war und ist es fehlender politischer Wille, der Schrei bahnunfreundlich eingestellter Politiker nach einem 'schönen' Radweg wird da gern eher gehört.
Bahn fahren konnte man zwischen Dobermannsdorf und Poysdorf seit dem 08. Mai 1907, nachdem Poysdorf seit dem 06. September 1888 schon von der anderen Seite, von Enzersdorf an der Laaer Ostbahn, per Schiene erreichbar war. Ein Jahr zuvor hatte das Eisenbahnzeitalter in Dobermannsdorf mit der Eröffnung der Strecke Hohenau - Mistelbach begonnen, und 1911 wuchs der Bahnhof mit der Strecke nach Pirawarth zu einem richtigen kleinen ländlichen Knotenbahnhof heran.
Der Reiseverkehr war hauptsächlich 'Ziel- und Quellverkehr' in der Region, die Leute fuhren von hier nach Hohenau oder Mistelbach zur Arbeit, in die Schule, zum Markt. Und wollte man mal weiter weg, bestand in Enzersdorf, Mistelbach oder Hohenau der Anschluß in die weite Welt. Dagegen war der zulaufende Verkehr, also z.B. touristischer Natur, unbedeutend, denn der Tourismus spielt hier kaum eine Rolle. Und so deckten die drei täglichen Zugpaare zwischen Dobermannsdorf und Poysdorf (Richtung Enzersdorf waren es mehr) das Verkehrsbedürfnis auch voll ab. Man war auch tatsächlich zeitlich betrachtet 'genügsamer' und paßte sich den Zugzeiten an. Heute macht das kein Mensch mehr - kommt man nicht mindestens jede Stunde weg, wird das Auto benutzt.
Gern wurde die Strecke Hohenau - Mistelbach, an der unser Ausgangsbahnhof liegt, auch als Umleitungsstrecke für die Hauptbahn zwischen Hohenau und Wien benutzt, wenn dort mal Störungen auftraten. Auch das hat man sich 'aus der Hand gegeben'..
Wie eingangs schon angedeutet, dominierte aber der Güterverkehr, an dem die Landwirtschaft den größten Anteil hatte. Natürlich spielten auch die üblichen Empfangsgüter wie Kohle, Baustoffe, Düngemittel usw eine Rolle. Landwirtschaftlicher Transport ist vielfach Saisontransport, logischerweise ist hier im Herbst Hochsaison, während in der anderen Jahreszeit auch mal länger 'Flaute' sein kann. Ein Ungleichgewicht, mit dem jede Strecke in einer typisch ländlichen Region ohne nennenswerte Industrie klarkommen muß.
Die sich rasant entwickelnde individuelle Motorisierung ab den 1950er Jahren ließ den Stern des allgemeinen Reiseverkehrs sinken, es blieb bald nur noch Schüler- und etwas bescheidener Berufsverkehr. Und da muß man schon fast sagen: "Immerhin" hielt sich der Reiseverkehr noch bis zum 29. Mai 1988. Im Westabschnitt nach Enzersdorf war er allerdings schon 11 Jahre früher, 1977, eingestellt worden - dort, wo immer die bessere Verkehrsbedienung herrschte.. Für den Abschnitt Ameis - Poysdorf bedeutete das auch die Gesamteinstellung.
Der Güterverkehr lief unvermindert weiter, selbst zum Zeitpunkt unserer Reise waren wir noch mit einer 'ordentlichen' Übergabe unterwegs. Und immer noch waren es die Lagerhäuser, die den Verkehr am Leben hielten.
In den frühen 2000er Jahren ging es dann aber immer weiter bergab. Der Autor ist nicht 'nahe genug dran', um Gründe und Hergänge analysieren zu können. Konnten sich die Lagerhäuser dem Preisdruck der Straße nicht erwehren? Wurde seitens der Lokalpolitik 'nachgeholfen'? Vor Ort wird man es besser wissen.
Am 22. Januar 2007 wurde der Güterverkehr nach Poysdorf eingestellt, wenige Monate vor dem Tag, an dem die Strecke 100 Jahre alt geworden wäre. 8 Jahre später, 2015, 'schaffte' man es auch, die Strecke Hohenau - Mistelbach von der Eisenbahnkarte zu radieren. Der kleine Landknoten Dobermannsdorf war Geschichte.
Die Gleise nach Poysdorf wurden 2012 demontiert, über eine Nachnutzung liest man nichts.
'Gute Fahrt' nun mit dem Verschub nach Poysdorf - und ja! Wenn man im Dezember draußen rum fährt, muß man in Kauf nehmen, daß die Sonne sich rar macht.. Immerhin war es trocken.
Daten wie stets aus Wikipedia.
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