Schmetterling des Jahre 2023: Das Ampfer-Grünwidderchen Adscita statices (Linnaeus, 1758)
(Eine ausführliche Artbeschreibung wird in den Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Würzburg 2023 Band 57 zu finden sein)
Das Ampfer-Grünwidderchen Adscita statices (Linnaeus, 1758) wurde zum Schmetterling des Jahres 2023 gewählt. Diese Art gehört zur Familie der Widderchen (Zygaenidae), die meist tagaktive Falter beinhaltet. Die Bezeichnung Widderchen leitet sich von den Fühlern ab, die am Ende verdickt und mehr oder weniger gekrümmt sind und so an die Hörner eines Widders erinnern.
Widderchen sind hervorragende Zeigerarten für Veränderungen, da sie besonders sensibel auf kontaminierte Luft reagieren. Die kleinen Schmetterlinge fallen auf durch ihre Färbung, ihren schwirrenden und unbeholfen wirkenden Flug und die Tendenz Schlafgemeinschaften zu bilden.
In Deutschland kommen von den drei Unterfamilien der Widderchen, die Rotwidderchen (Zygaeninae), die Grünwidderchen (Procridinae) und die Cosiinae, zwei in Unterfranken vor. Arten der Grünwidderchen fliegen auch in der Dämmerung und kommen nachts ans Licht. Die dritte Unterfamilie Cosiinae ist mit nur einer Art, dem Trauerwidderchen (Aglaope infausta), nur an wenigen Stellen in Deutschland vertreten. Die auffälligen Färbungen der Raupen und der Falter sind Warnsignale.
Während die Rotwidderchen oder Blutströpfen mit ihrer Kombination aus Rot und Schwarz durchaus bekannt sind, ist das bei den mit nur 20-25 mm Flügelspannweite kleinen Grünwidderchen mit ihren auffallend metallisch grünlich bis bläulich gefärbten Vorderflügeloberseiten nicht unbedingt der Fall. Als Schmetterling des Jahres 2023 soll das Ampfer-Grünwidderchen Adscita statices das ändern. Die Tiere sind besonders auf feuchten Wiesen an Bachläufen oder in der Nähe von Hochmooren, auf Wiesen in Waldrandnähe oder Viehweiden mit guten Vorkommen der Raupenfutterpflanzen (Ampfer) zu finden.
Die Grünwidderchen sind mit über 500 Arten weltweit verbreitet. Etwa 150 Arten mit 22 Gattungen und den 4 Entwicklungszweigen Theresimima, Rhagades, Jordanita und Adscita sind diese im paläarktischen Raum vertreten. Die Gattungen Adscita und Jordanita kommen mit mindestens 13 Arten in Mitteleuropa vor. Dazu noch das Schlehen-Grünwidderchen Rhagades pruni. In Deutschland ist das am häufigsten vorkommende Ampfer-Grünwidderchen aus allen Bundesländern bekannt.
In Unterfranken wurden bisher 5 Arten der Procridinae nachgewiesen. Neben dem Schlehen-Grünwidderchen Rhagades pruni sind das das Flockenblumen-Grünwidderchen Jordanita globulariae, das Distel-Grünwidderchen Jordanita subsolana, das Sonnenröschen-Grünwidderchen Adscita geryon und das Ampfer-Grünwidderchen Adscita statices. Letzteres gilt nach BArtSchV (2005) als besonders geschützt.
Literatur und Quellen:
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