Der "Narzissmus"-"Experte" Hans-Joachim Maaz und ein Interview für "DIE ZEIT" über den Narzissmus und das Minderwertigkeitsgefühl von Spitzensportlern - nebst anderen fragwürdigen Positionen.
00:00 Unter Spitzensportler gäbe es, so Maaz, mehr krankhafte Narzissten als im Rest der Bevölkerung. Und: Sie besäßen ein Minderwertigkeitsgefühl. Es sei eine "naheliegende Vermutung", dass Menschen, die (mit besonderen Leistungen) in die Öffentlichkeit gelangten, "krankhafte Narzissten" seien. Es bleibt nun offen, wie er sich hier selbst einschätzt - als jemand, der - aus meiner Sicht - gerade KEINE besonderen Leistungen erbracht hat, oder sogar eher "Minderleistung", wie mit seinem Buch "Die narzisstische Gesellschaft", aber dennoch in die Öffentlichkeit gelangt ist.
05:20 Was bei Maaz aus meiner Sicht viel zu kurz kommt: Menschen, die mit sportlichen Leistungen in die Öffentlichkeit gelangen, sind ja nicht einfach nur durch ihren eigenen "Narzissmus" (was immer das sein möge) bestimmt, sondern sie unterliegen ja auch einer sozialen Dynamik, dass sie von Trainern, Sponsoren, Medien und/oder Fans womöglich unter Druck gesetzt werden. Und: Zusätzlich sind Sie durch ihre Tätigkeit womöglich vermehrt von einem tragfähigen sozialen Umfeld isoliert, was sie verletzlicher macht.
11:00 Hier gebe ich ein paar mehr Informationen zu Hans-Joachim Maaz und seine Positionen - z.B. in "Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm". Gegenüber dem Mythos von Narziss zeigt Maaz aus meiner Sicht ein erhebliches Unverständnis:
Maaz tut so, als könnte er gar nicht verstehen, dass ein 16-Jähriger das überfallartige Angebot einer ihm wildfremden, hohlen Nymphe, mit ihr auf der Stelle Sex zu haben, nachhaltig und eindeutig zurückweist.
Maaz übernimmt als einer der ersten AutorInnen (wenn nicht gar als der erste) einen Fake-Mythos, der 2005 über Wikipedia in die Welt gesetzt worden ist. Da dieser Fake-Mythos auch noch mit einer genauen Quellenangabe (Pausanias) verbunden war, hätte Maaz sich sehr leicht davon überzeugen können, dass es sich hier um Unsinn handelte.
Maaz nimmt eine Geschlechtsumwandlung vor bei der Person, deren Bitte um Bestrafung des Narziss (bei Ovid) dann die strafende Göttin Nemesios auf den Plan ruft. Anders, als Maaz uns glauben lassen will, handelt es sich nicht um "eine verschmähte Verliebte", sondern um "einen verschmähten Verliebten", nämlich wohl den Ameinias, mit dem Narziss aus ebenfalls gut nachvollziehbaren Gründen keinen Sex haben will.
26:30 Zu dem Begriff "Größenselbst" - also der Vorstellung von sich selbst, besonders großartig zu sein - erfindet Hans-Joachim Maaz einen Begriff, der den Gegensatz zu diesem "Größenselbst" bilden soll: Das "Größenklein"! Ein weiterer Begriff im Repertoire der Psychologie, der nichts anderes bewirken kann, als Verwirrung und Unklarheit zu stiften.
28:00 Leidet Hans-Joachim Maaz am "Kleiner-Mann-Syndrom" und/oder an einer Mutterproblematik? Meine persönliche Begegnung mit Hans-Joachim Maaz bei einem Kongress in Halle im Jahr 2001. Hier beziehe ich mich auf den Inhalt seines damaligen Vortrags: "Wege aus der Kränkung."
Neben einem Exkurs zu Freuds Theorie vom "Ödipuskomplex" komme ich auf die Position von Maaz zu sprechen:
39:25 Maaz vertritt die Auffassung, dass der "Muttermangel" häufig durch einen Verweis auf das "Vaterversagen" verdeckt würde. Als Erläuterung für diese These schildert er einen Fall, bei dem ein Onkel sexualisierte Gewalt gegen seine Nichte ausübt (unter den Augen ihrer Mutter und ihrer Tante). Es scheint mir auffällig, dass es hier offensichtlich gar nicht um ein "Vaterversagen" geht.
Für Maaz belegt diese Geschichte nun NICHT etwa männliche Selbstherrlichkeit in einem patriarchalen System. Für ihn zeigt sie, wie eine Mutter das Zuwendungsbedürfnis ihrer Tochter nicht ausreichend stillt, so dass diese sich - angeblich - frustriert dem Vater "zuwendet", von diesem dann sexualisierte Übergriffe erlebt, wofür der Vater am Ende an den Pranger gestellt würde. Der Anteil der Mutter und des [ödipalen] Kindes selbst wären dabei quasi eliminiert. Aus meiner Sicht: Eine gruselig falsche Analyse, die in einer Opferbeschuldigung mündet!
Damit endet der erste Teil der Auseinandersetzung mit dem Interview mit Hans-Joachim Maaz mit "DIE ZEIT".
Quellen:
Hans-Joachim Maaz (2001): Wege aus der Kränkung. In: Bahrke, Ulrich; Rosendahl, Wolfram (Hg.): Psychotraumatologie und Katathym-imaginative Psychotherapie, S. 78-84. Lengerich, Pabst Science Publishers
Hans-Joachim Maaz (2012): Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm. München, C. H. Beck
links:
Maaz - Interview für DIE ZEIT: https://www.zeit.de/sport/2016-02/nar...
Text (von mir) über Maaz: https://oedipus-online.de/wp-content/...
Mehr zum Thema "Narzissmus" auf meiner Webseite: https://narzissmus-diskussion.de.
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