Am Anfang stand die Kohle, die im 19. Jahrhundert überall in der Leipziger Tieflandsbucht gefunden und verstärkt abgebaut wurde. Dafür brauchte es effektive Transportwege, und so wurde auch in Zschornewitz der Ruf nach einer Eisenbahn laut.
Am 08. Januar 1895 wurde eine erste Grubenbahn von Burgkemnitz in Richtung Golpa in Betrieb genommen. 2 Jahre später entstand von Oranienbaum aus eine weitere Grubenbahn in Richtung Grube Margarethe. Bald stellte die inzwischen federführende Dessau-Wörlitzer Eisenbahngesellschaft (DWE) das fehlende Mittelstück bis Golpa fertig.
Doch erst 20 Jahre später, am 01. April 1919, wurde die bisherige Grubenbahn eine öffentliche Kleinbahn mit öffentlichem Reise- und Güterverkehr. Wie in Kohleabbaugebieten üblich, veränderte sie im Zuge des Fortschreitens der Tagebaue mehrmals ihre Linienführung.
Der Personenverkehr auf dem nördlichen Abschnitt von Golpa bis Oranienbaum endete bereits 1932 wieder, hier bestand einfach kein Bedarf. 1946 wurde die Nordstrecke abgebrochen, ob das eine Reparationsleistung oder wirtschaftlich begründet war, ist nicht überliefert.
Irgendwann Ende der 1930er Jahre, oder auch erst in den Kriegsjahren, wurde der Personenverkehr von Burgkemnitz weg auf den Gräfenhainichener Schenkel gelegt, die Personenzüge begannen und endeten nun dort.
In der Nachkriegszeit wurde der öffentliche Personenverkehr bald in Werkspersonenverkehr umgewandelt, der noch bis Mitte der 1950er Jahre bestand und dann eingestellt wurde.
Auch die originale Kleinbahntrasse zwischen Burgkemnitz und Zschornewitz mußte Ende 1946 einem Tagebau weichen, so war die Anbindung an Gräfenhainichen über mehrere Jahre die Einzige. Doch bald wurde begonnen, von Burgkemnitz aus in ausholendem Bogen eine neue Kohlenbahn zu errichten. Am Standort des Zusammentreffens des Gräfenhainichener und Burgkemnitzer Zweiges entstand der Bahnhof Zentralwerkstatt. Hier verzweigte sich die Strecke erneut Richtung Zschornewitz und nach Norden zum neu entstandenen Kraftwerk Vockerode direkt an der Elbe.
Vor Jüdenberg entstand ein Gleisdreieck, mit dem ein östlich gelegener Tagebau angeschlossen wurde. Dieser ist lange schon ausgekohlt, und heute ist dieses Gelände "Ferropolis", ein Freizeitpark mit Eisenbahn- und Grubenbahnmuseum. Letzteres überlebte aber leider nicht und wurde 2010 aufgelöst.
Diese neue Trasse benutzt zwischen Jüdenberg und dem Abzweig nach Oranienbaum wieder die ursprüngliche Kleinbahntrasse. An anderen Stellen ist deren Verlauf nur noch mitr großer Sachkenntnis in etwa nachzuvollziehen.
Von Jüdenberg aus wurde nach Südwesten eine ca 5 km lange Strecke zu einer Aschekippe bei Zschornewitz errichtet, um die Asche der Kraftwerke zu verkippen. Diese hatte zeitweilig auch in Form eines Halbrings Verbindung mit dem Kraftwerk Zschornewitz.
Und zwischen all diesem "Gewirr" fuhr noch die 900mm-Grubenbahn der Tagebaue 'herum'...
Zum Zeitpunkt unserer Reise wurde gerade die Anbindung an den Bahnhof Oranienbaum wieder hergestellt. Seitdem gab es Ausflugsverkehr zwischen Oranienbaum und Ferropolis, auch heute führt die DWE noch gelegentlich Sonderfahrten dorthin durch.
Seit 2013 wird auch auf dem südlichen Teil zwischen Burgkemnitz und Möhlau durch die ELS Eisenbahn Logistik und Service GmbH wieder bescheidener Güterverkehr durchgeführt.
Der Autor kam nach den erfolgreichen 'Texas'-Pendelfahrten ab Querfurt (wir werden bald das Video sehen) im Jahre 1999 auf die Idee, eine weitere ähnliche Fahrt zu organisieren, die in den Köpfen 'hängen bleibt'. Dabei kam ein eher trauriger Anlaß als "Aufhänger" zu Hilfe, denn die rote 'Ferkeltaxe' 772 130, welche wir bei den Querfurt-Fahrten hatten, stand zur Ausmusterung an. Unser 'Team'-Lokführer Arnd Zorn gab den Anstoß, doch eine Abschiedsfahrt zu organisieren. Nun - Ziele gab es noch genug, und die Wahl fiel schnell auf die Zschornewitzer Kleinbahn, mit einigen anderen kleinen Highlights zuvor.
Doch der '130' hatte 'den Kanal voll', er musterte sich wenige Tage zuvor 'selbst' aus... Oh je - guter Rat teuer..! Doch wir bekamen ein gleichartiges Fahrzeug aus Nordhausen gestellt, das Arnd am Tag zuvor selbst holen mußte. Nun ja, zwar nicht das Original, aber wir konnten fahren!
Viel Arbeit gab es zuvor, wir sehen es im Video gleich am Anfang. Man braucht schon einen gewissen 'Verrücktheitsgrad', um das alles, inclusive Dornen in Haut, Schuh und Kopf, für eine einzige Fahrt auf sich zu nehmen! Doch genau diese brach liegende Anschlußbahn zur Kippe Zschornewitz hatte es dem Autor angetan - und das mußte gelingen! Wie heißt es? "Die Welt braucht Verrückte"! Der Autor hat sich das zum Leitsatz gemacht.. 😉
Es wurde, was es werden sollte - eine weitere unvergeßliche Sonderfahrt! Etliches davon ist heute nicht mehr zu realisieren. So ist das Kraftwerk Vockerode komplett weg und auch das Gleis gibt es nicht mehr, ebenso jene zur Kippe Zschornewitz und nach Gräfenhainichen.
Gute Reise nun!
Daten aus Wikipedia und "Fiebig, Die Zschornewitzer Kleinbahn GmbH"
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