Aus dem Glockenhaus zwischen den beiden Türmen der Neuwerkkirche in Goslar erklingt einer der wertvollsten, zusammenhängenden mittelalterlichen, teil auch romanischen Glockenbestände Deutschlands, welcher im Rahmen dieser Geläutepräsentation ausführlich vorgestellt und gezeigt werden soll.
Informationen zur Baugeschichte, Ausstattung und Orgel können unter dem nachstehenden Link eingesehen werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Neuwerk...
Neben dem äußerst hohen historischen Wert des Gotteshauses, ist besonders das Geläut der Kirche hervorzuheben. Die Geschichte des Geläutes reicht bis in das Jahr 1200 zurück. In diesen Zeitraum lassen sich die beiden kleinsten Glocken des Geläutes datieren. Besonders gut erkennen lässt sich dies vor allem an der langen, doch recht schlank gehaltenen Übergangsform beider Glocken. Hinzu kommt das äußerst (!) schwere Rippenprofil beider Instrumente, wodurch besonders die Klangentfaltung äußerst stark ausfällt. Während die kleinste Glocke inschriftlos ist, zeigt die zweitkleinste Glocke zwischen zwei Stegen an der Schulter die Inschrift: + SPC [= SPIRITUS] . D(OMINI) .
REPLEVIT + ORBEM [T]ERR[A]RVM. , wobei hier angemerkt werden muss, dass zwei der Buchstaben durch eine vor einigen Jahrzehnten erfolgte Schweißung zerstört sind.
Die drittgrößte Glocke des Geläutes weist eine äußerst langgezogene, fast schon zuckerhutartige Form auf. Sie zeigt, im Verhältnis zu ihren vier anderen Schwestern, eine eher leichte Rippenkonstruktion auf. Sie ist, ebenso wie die kleinste Glocke, inschriftlos und hat an der Schulter lediglich zwei umlaufende Stege.
Die wohl beeindruckendsten Instrumente des Geläutes sind sicherlich die beiden großen Glocken. Die große Glocke ist in einer, in der Harzregion des Öfteren anzutreffenden, gotischen "Sonderrippe" gegossen. Sie läuft nach unten weit aus, ist aber im oberen Bereich ebenfalls recht schmal gehalten. Als Inschrift trägt sie an der Schulter, zwischen zwei umlaufenden Doppelstegen, eine besonders kunstvoll geritzte Inschrift, bestehend aus Zierlinien, Binnenzeichnungen und Schraffuren. Die Inschrift an der Schulter der Glocke lautet: + AVE (vier kreuzförmig geordnete Punkte)
MARIA GRACIA PLENA : DOMINU : S : TECVM (vier Punkte).
Unterhalb des Schriftbandes stehen insgesamt neun teils runde,
teils vierpaßförmige Plaketten mit verschiedenen reliefierten Darstellungen, die gußtechnisch überwiegend kaum herausgekommen und sehr unsicher zu erschließen sind. Das wohl beeindruckendste Instrument ist aber mit Sicherheit die zweitgrößte Glocke des Geläutes. Datiert auf das Jahr 1314 und in einer extrem (!) schweren Rippe, ist sie in Klang und Gestaltung sicherlich einzigartig. Sie trägt an der Schulter eine zweizeilige, gotische Minuskelinschrift (zu Beginn mit einigen Majuskeln):
(Dreiblatt) Fulmineus terror et quilibet aeris error +
Matre dei dante fugiant hoc ere sona(n)te am(en)
Rector celi nos exaudi tu dignare nos salvare
A Ω nos adiuua an(n)o d(omin)i M° ccc° XIIII°
f(a)c(t)a / sum
Besonders toll ist ebenfalls die Gestaltung der Glocke, in Form feiner Bildnisse im Stil der Ritzzier. Jeweils gegenüberliegend werden ein Kruzifix sowie Maria dargestellt.
Die recht saubere Disposition des Geläutes ist vermutlich eher dem Zufall geschuldet. Wie damals üblich, hatten die einzelnen Glocken vorwiegend solistische Aufgaben und wurden äußerst selten zusammen geläutet. Umso toller ist es, dass sich dieser Bestand musikalisch so gut ergänzt bzw. sich so gut zusammenfügt.
Das Geläut hat jegliche Ereignisse der vergangenen Jahrhunderte nahezu unversehrt überstanden. So entging Goslar jeglichen Kriegsgeschehnissen der beiden Weltkriege, was in Kombination mit der Einordnung in der Klasse "D" dazu führte, dass die Glocken sich bis heute erhalten haben.
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DIE LÄUTEGLOCKEN:
Glocke 1 | e'-10 | 1.550kg | d=1.307mm | um 1300, unbezeichnet
Glocke 2 | a'-5+ | 1.071kg | d=1.192mm | 1314, unbezeichnet
Glocke 3 | es''-1 | 210kg | d=702mm | um 1300, unbezeichnet
Glocke 4 | f''-3 | 323kg | d=818mm | um 1200, unbezeichnet
Glocke 5 | as''-1 | 234kg | d=732mm | um 1200, unbezeichnet
Disposition: e'-a'-es''-f''-as''
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ABLAUF DER GELÄUTEPRÄSENTATION:
~0:00 | Intro mit Bilderpräsentation der Kirche und Glocken (im Hintergrund ist eine Aufnahme des vollen Geläutes zu hören)
~6:16 | Glocke 5 (as'')
~9:20 | Glocke 4 (f'')
~12:05 | Glocke 3 (es'')
~14:51 | Glocke 2 (a')
~19:22 | Glocke 1 (e')
~23:14 | Plenum
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(c) Angelusglocke 2025
Aufnahmedatum: Samstag, 16.11.2024 im Rahmen eines Sonderläutens.
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