Als Napoleon Michael Simon Hauner am 28. Oktober 1811 in Neumarkt an der Rott das Licht der Welt erblickte, konnten seine Eltern, der Rentbeamte Korbinian Hauner und seine Frau Anna, nicht ahnen, dass ihr Sohn lieber auf einen anderen Vornamen getauft worden wäre. Napoleon fand sich denn auch nicht mit der elterlichen Namenswahl ab, sondern sein Studium der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (und an der Uni Wien) trat er als August Hauner an – und dabei blieb es. Obwohl seine Doktorarbeit das „Kindbettfieber“ zum Thema hatte und er im Juli 1935 an der Universität München zum Doktor nicht nur der Medizin und Chirurgie, sondern auch der Geburtshilfe promovierte, ließ sich Hauner nach zwei Jahren praktischer Ausbildungszeit 1937 zunächst als praktischer Arzt in Thann und etwas später in Murnau am Staffelsee nieder. Eigentlich fühlte er sich als Landarzt sehr wohl, doch reichten die Praxiseinnahmen hinten und vorne nicht aus, um seine Familie finanziell ausreichend abzusichern. Im Mai 1938 hatte Hauner endlich seine Verlobte Agatha Maria Kreszenz Gattinger zum Traualtar führen können, knapp neun Monate später war die erste Tochter geboren worden. Als Hauner 1845 mit seiner Familie nach München übersiedelte, um in der Haupt- und Residenzstadt des bayerischen Königreichs eine Stelle als Armenarzt anzutreten, war seine Familie bereits um einige Köpfe mehr angewachsen. Hauner und seine Frau mussten jedoch hilflos mitansehen, wie acht ihrer 13 Kinder noch als Baby starben – eine extrem bedrückende Erfahrung, die Hauner entscheidend prägte. Aber es spornte ihn auch an, fast seine gesamten Ersparnisse zu investieren, um am 1. August 1946 das erste Kinderspital in München zu eröffnen – in vier Zimmern einer angemieteten Wohnung in der Sonnenstraße 27. Dabei sah er sein Kinderspital nicht nur als Ort für die Behandlung kranker Kinder, sondern auch als Informationsstelle für Mütter über die richtige Ernährung, Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Doch leistete er nicht nur für Kinderheilkunde, sondern auch für die Kinderchirurgie Pionierarbeit. Hauners Grundverständnis: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern bedürfen einer auf sie zugeschnittene medizinische Betreuung, von der Prävention bis hin zur (operativen) Therapie. Hauners moderner Ansatz überzeugte – zumindest einflussreiche Persönlichkeiten wie Königin Therese, die Gattin König Ludwigs I., unter deren Protektorat sich andere geldgebenden Förderer zu einem Verein zusammentaten, der fortan als juristischer Träger des Kinderspitals auftrat. Mithilfe des Fördervereins konnte die Kinderklinik schon drei Jahre später in das deutlich größere Haus Jägerstr. 9 verlegt werden. Prunkstück des Kinderspitals: ein großes Ordinationszimmer im Erdgeschoss, in dem Hauner ab 1851 Vorlesungen und klinischen Unterricht für Studenten abhielt.Die Aufgabe, über Kinderkrankheiten zu lehren, machte Hauner großen Spaß. Doch so sehr er sich auch der Unterstützung durch den Förderverein für seine praktische Tätigkeit als Kinderarzt und einer immer größeren Beliebtheit in der Bevölkerung gewiss sein konnte – was seine wissenschaftlichen Ambitionen betraf, wehte ihm seitens der medizinischen Fakultät ein kühler Wind entgegen. Zwar hatte man ihm gestattet, sich 1848 an der LMU für das Fach Kinderheilkunde zu habilitieren, sodass Hauner 1850 zum Privatdozenten und 1958 zum Honorarprofessor – allerdings ohne jeglichen Anspruch auf ein Gehalt – berufen werden konnte. Eine ordentliche Professur blieb August Hauner jedoch verwehrt. Der Grund: Hauner habe seine medizinischen Fähigkeiten weder am Seziertisch noch in einem Labor unter Beweis gestellt – und das Krankenbett allein ließe lediglich Beobachtungen, nicht aber wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu. Ein Vorwurf, der schwer wog und der noch dazu von niemand Geringerem als von Johann Nepomuk von Ringseis (1785-1880) formuliert worden war, der zu dieser Zeit (Ende 1850) nicht nur ein anerkannter Professor an der Med. Fakultät war, sondern auch schon als Obermedizinalrat und Medizinalreferent im Innenministerium seinen Dienst verrichtete. Hinzu kam, dass weder die medizinische Fakultät noch das dafür zuständige Ministerium die Errichtung einer eigenen Professur für Kinderkrankheiten für notwendig hielt. Und so blieb es dabei: Hauner durfte interessierte Studenten zwar zu „tüchtigen Pädiatern“ ausbilden, aber nicht im Hörsaal und auch nicht für eine angemessene Vergütung.
Die Verweigerung eines bezahlten Lehramts im Universitätsbetrieb hat Hauner tief enttäuscht. Und so verwundert es nicht, dass der Eröffnungsfeier des neuen Spitalbaus in der Lindwurmstr. 4 am 15. Mai 1882 zwar viele gesellschaftliche Würdenträger beiwohnten, jedoch kein Vertreter der Uni – sie waren von Hauner nicht eingeladen worden. Seine Gäste begrüßte er als August „von“ Hauner, da sein Wirken ein Jahr zuvor mit einem Adelstitel belohnt worden war. Hauner überlebte sein Lebenswerk leider nur um zwei Jahre und starb nach langer Krankheit im Juni 1884.
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