von Johann Wolfgang von Goethe
(1749 – 1832)
I. Ganymed
Wie im Morgenglanze
Du rings mich anglühst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herz drängt
Deiner ewigen Wärme
Heilig Gefühl,
Unendliche Schöne!
Daß ich dich fassen möcht
In diesen Arm!
Ach, an deinem Busen
Lieg ich, schmachte,
Und deine Blumen, dein Gras
Drängen sich an mein Herz.
Du kühlst den brennenden
Durst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die Nachtigall
Liebend nach mir aus dem Nebeltal.
Ich komm, ich komme!
Wohin? Ach, wohin?
Hinauf! Hinauf strebts.
Es schweben die Wolken
Abwärts, die Wolken
Neigen sich der sehnenden Liebe.
Mir! Mir!
In euerm Schoße
Aufwärts!
Umfangend umfangen!
Aufwärts an deinen Busen,
Alliebender Vater!
II. Prometheus
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte,
die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus noch ein,
Kehrt ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber war
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir wider
der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle Knabenmorgen
Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!
___________________
Kapitel:
00:00 Ganymed
04:15 Prometheus
09:21 Outro
___________________
Über diesen Kanal:
Hier findest du Musik zwischen Folk, Mittelalter, Gothic und Ambient – ideal zum Entspannen, Träumen oder als atmosphärische Hintergrundmusik für Pen&Paper-Abenteuer.
Ich vertone eigene Texte und gemeinfreie Gedichte, oft aus alten Zeiten, und lasse sie in neuer Klanggestalt wieder aufleben. Der Fokus liegt dabei meist auf deutscher Sprache und einer stimmungsvollen, manchmal düsteren, oder meditativen Atmosphäre.
Ob du in fernen Welten wanderst, dich ins Kopfkino zurückziehst oder dein Rollenspiel musikalisch begleiten möchtest – hier findest du den passenden Soundtrack.
Wenn du Lust hast, regelmäßig in andere Klangwelten einzutauchen, freue ich mich über ein Abo – das unterstützt mich und gibt mir Motivation, weiter zu machen.
––––––––––––––
Da ich häufiger gefragt werde, ob und wie man mich auch monetär unterstützen kann, gibt es hier die Möglichkeit dazu (natürlich absolut freiwillig):
🔗 https://ko-fi.com/projekt_nachtraab
Dankeschön!
Euer
Nachtraab
Информация по комментариям в разработке