Die Glocken von St.Nicolai in Mölln bilden eines der größten spätmittelalterlichen Geläute Deutschlands.
Mit dem Bau der stadtbildprägenden Kirche St.Nicolai zu Mölln im schleswig-holsteinischen Herzogtum Lauenburg wurde im frühen 13. Jahrhundert begonnen. Aus dieser Zeit ist der im Stile der Backsteinromanik errichtete Chor samt Apsis noch erhalten. Um 1250 war die erste Bauphase abgeschlossen. Auch der Turm, ursprünglich als Wehrturm konzipiert, dürfte noch aus dieser Zeit stammen. Nach einem großen Brand im Jahr 1391 wurde die Kirche wieder aufgebaut. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgten schließlich einige Umbauten und Erweiterungen. So wurde unter anderem das Südschiff im gotischen Stil umgebaut und erweitert. Gleiches erfuhr auch die Apsis. Außerdem erhielt St.Nicolai eine kleine dem hl. Jodokus geweihte Kapelle als Anbau am Nordschiff sowie eine zweistöckige Sakristei. Im dritten Bauabschnitt wurde ein weiteres Joch als Anschluss an den Turm gebaut sowie im vierten Bauabschnitt die Lücke zum Chor geschlossen. Der mächtige Turm erhielt 1743 einen großen Stützpfeiler an der Westseite. In dieser Erscheinung präsentierte sich die Kirche bis 1896. Bei einer umfangreichen Restaurierung wurden die Jobstkapelle sowie das obere Geschoss der Sakristei entfernt. Auch erhielt die Kirche innen eine neue Ausmalung, wobei die alten Wandmalereien erhalten blieben. Glücklicherweise blieb St.Nicolai im Zweiten Weltkrieg von den Bomben verschont, sodass der Innenraum bei einer erneuten Renovierung im Jahr 1959 sein weitestgehend ursprüngliches Erscheinungsbild wieder erhielt. So hat sich auch eine Vielzahl an historisch wertvollen Ausstattungsstücken erhalten. Direkt ins Auge fällt das große Triumphkreuz aus der Werkstatt Bernt Notkes. Es entstand im Jahr 1501. Im Südschiff befindet sich ein Hängeleuchter von 1506. Drei Jahre später entstand das bronzene Taufbecken durch den Lübecker Erz- und Glockengießer Peter Wulf. Zur Zeit der Reformation erhielt St.Nicolai einen siebenarmigen Bronzeleuchter aus dem Jahr 1436. Dieser befand sich ursprünglich im einst nahegelegenen Kloster Marienwohlde. Hochaltar und Kanzel stammen aus den Jahren 1739 und 1742. Bekannt ist St.Nicolai vor allem für die von Christoph Julius Bünting zwischen 1754 und 1766 gebaute Orgel. Das Instrument besitzt einen teilweise noch wesentlich älteren Pfeifenbestand. Derzeit wird die Orgel von der Firma Flentrop Orgelbouw aus Zaandam (NL) restauriert.
Nicht weniger bedeutend ist das vierstimmige Geläut. Es handelt sich hierbei um eines der größten spätmittelalterlichen Geläute Deutschlands. Die größte Glocke ist auch zeitgleich die älteste. Gegossen wurde sie im Jahr 1468 von Wilken Cruse, von dem nur noch eine weitere Glocke erhalten geblieben und über dessen Leben nichts bekannt ist. Die Möllner Glocke ist eine von nur drei mittelalterlichen Großglocken in Schleswig-Holstein. 1514 goss Hinrick van Kampen drei weitere, prächtig verzierte Glocken für St.Nicolai. Eine davon, die Zeitglocke, war von Anfang an als Stundenglocke konzipiert. Es gab noch zwei weitere, wesentlich kleinere Läuteglocken im Glockenstuhl. Die größere wurde im Jahr 1513 von Peter Wulf gegossen und befindet sich nun in der Heilig-Geist-Kirche in Mölln. Aus dem 14. Jahrhundert stammte die kleinere Glocke, welche jedoch ein Opfer des Ersten Weltkrieges wurde. 1930 hängte man die Zeitglocke als Läuteglocke im Glockenstuhl auf. Dabei erhielten die drei anderen Glocken tief gekröpfte Stahljoche und Gegengewichtsklöppel. Unter Betrachtung dieser Strapazen war es kein Wunder, dass die große Glocke 1973 sprang. Sie wurde im Glockenschweißwerk Lachenmeyer in Nördlingen repariert und noch im selben Jahr wieder aufgehängt. Hierbei blieb die technische Anlage unangetastet, sodass die Glocke 1987 erneut einen Riss bekam. Endlich wurde ein umfangreiches Sanierungskonzept erarbeitet und 1991 umgesetzt. Die drei großen Glocken reisten nach Nördlingen, wobei bei der großen Glocke nicht nur die wieder aufgerissene Schweißnaht geschlossen, sondern auch eine neue Krone eingeschweißt wurde. Leider orientierte man sich hierbei nicht an authentischen Vorbildern, sodass das äußere Erscheinungsbild dieser Glocke nun verfälscht ist. Die beiden anderen Glocken von 1514 wurden lediglich an den Schlagringen aufgeschweißt. Alle vier Glocken erhielten daraufhin neue Holzjoche, Klöppel und Läutemaschinen.
Nikolaus- und Katharinenglocke, Schlagton b°+1, Gewicht ca. 3.620 kg, Durchmesser 1793 mm, gegossen im Jahre 1468 von Wilken Kruse.
Salvator- und Nikolausglocke, Schlagton c'-8, Gewicht ca. 2.650 kg, Durchmesser 1617 mm, gegossen im Jahre 1514 von Hinrick van Kampen.
Marien- und Katharinenglocke, Schlagton es'-3, Gewicht ca. 1.840 kg, Durchmesser 1405 mm, gegossen im Jahre 1514 von Hinrick van Kampen.
Zeitglocke, Schlagton ges'-2, Gewicht ca. 610 kg, Durchmesser 1032 mm, gegossen im Jahre 1514 von Hinrick van Kampen.
Herzlichen Dank an alle Beteiligten für das Gelingen der Aufnahme!
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