Dr. Moritz Späh erklärt die Qualität von Raumakustik.
Grundlagen der Raumakustik: Dr. Moritz Späh führt in die physikalischen Grundlagen der Raumakustik ein. Er erklärt, wie Schallwellen sich im Raum ausbreiten, reflektiert oder absorbiert werden, und dass die Qualität eines Raumes nicht nur visuell, sondern auch akustisch sofort wahrgenommen wird. Die Nachhallzeit ist dabei die zentrale Kenngröße, die durch Raumvolumen, Oberflächenmaterialien, Möblierung und Personenzahl beeinflusst wird.
Schallabsorption und Nachhallzeit: Die Nachhallzeit beschreibt, wie lange ein Raum "nachklingt", nachdem eine Schallquelle gestoppt wurde. Sie wird klassisch über die Sabine-Formel berechnet, die jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen zuverlässig ist. Für komplexere Raumgeometrien empfiehlt Späh eine weiterentwickelte Berechnungsmethode, die sein Institut über eine Web-App zur Verfügung stellt.
Materialien und Absorbertypen: Es werden zwei Hauptarten von Schallabsorbern vorgestellt – poröse Absorber (z.B. Basotect, Mineralwolle, Polyesterfasern) und Resonanzabsorber (z.B. Mikroperforierte Platten). Poröse Absorber wirken über Reibung im Material, Resonanzabsorber über Schwingungseffekte. Die Kombination beider Typen ermöglicht eine breitbandige Schallabsorption.
Bedeutung der Normen: Es wird die DIN 18041 erläutert, die Anforderungen an die Hörsamkeit in Räumen stellt. Diese ist in verschiedene Raumgruppen unterteilt, etwa Unterrichtsräume, Musikräume oder Sporthallen, mit jeweils spezifischen Anforderungen an die Nachhallzeit. Auch rechtlich bindende Anforderungen aus der ASR A3.7 für Arbeitsstätten werden genannt.
Praxisbezug und Planung: Raumakustik muss in der Architektur frühzeitig mitgedacht werden, da Nachrüstung teuer ist. Gute Akustik erhöht nicht nur den Komfort, sondern ist auch aus Sicht des Arbeitsschutzes relevant. Die Bedeutung individueller Höranforderungen wird betont – etwa für Kinder, ältere Menschen oder Menschen mit Hörbeeinträchtigung.
Kritik an vereinfachten Bewertungsverfahren: Der bewertete Schallabsorptionsgrad (Alpha W) und die Absorberklassen gelten als unzureichend für die akkurate Raumakustikplanung. Stattdessen sollte eine frequenzabhängige Bewertung vorgenommen werden, da Frequenzgänge unterschiedliche Absorptionseigenschaften aufzeigen.
Zukunftsausblick: Am Ende wird ein stärkerer Fokus auf individuelle, psychosoziale und medizinische Anforderungen an Raumakustik gefordert. Es wird ein interdisziplinärer Ansatz angeregt, der Nutzerbedürfnisse stärker einbezieht.
Erkenntnisse basierend auf Zahlen
Nachhallzeit und Raumvolumen: Je größer das Raumvolumen, desto länger die Nachhallzeit. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, bei großen Räumen gezielt absorbierende Materialien einzusetzen.
Berechnungsformel: Die Sabine-Formel basiert auf einem empirisch bestimmten Faktor von 0,163, wobei das Volumen durch die äquivalente Absorptionsfläche geteilt wird – sie zeigt gut die Abhängigkeit von Raumgeometrie und Materialeinsatz.
Rechtliche Anforderungen: In Callcentern beträgt die zulässige Nachhallzeit nur 0,5 Sekunden, was strenge Absorptionsmaßnahmen verlangt.
Zeitmarken
00:01: Einführung und Vorstellung des Referenten
01:42: Vortragstitel und Themenüberblick
02:42: Erste Eindrücke von Raumakustik durch Raumbetreten
03:18: Akustik großer vs. kleiner Räume
03:50: Zusammenhang von Architektur und Raumakustik
04:20: Raumakustik und Nutzung, Gestaltungsmöglichkeiten
04:52: Anforderungen aus Denkmalschutz, Arbeitsschutz
05:23: Abgrenzung Raum- und Bauakustik
06:28: Schallausbreitung im Raum
07:30: Wirkung von Schallabsorption
08:03: Erklärung der Nachhallzeit
09:09: Methode zur Messung der Nachhallzeit
09:39: Sabine-Formel und ihre Anwendung
11:13: Alternative Berechnungsverfahren (Web-App)
12:49: Einfluss von Volumen und Absorption
13:51: Was ist Schallabsorption?
14:58: Poröse vs. Resonanzabsorber
16:39: Effekt von Materialdicke und Luftschicht
19:09: Wirkung gelochter Decken mit Akustikvlies
20:45: Mikroperforierte Resonanzabsorber
23:17: Kritik am bewerteten Schallabsorptionsgrad
24:52: DIN 18041 – Raumgruppen A und B
30:10: Anforderungen der ASR A3.7 für Arbeitsstätten
34:30: Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte
39:05: Individuelle akustische Anforderungen und Ausblick
Dr. Moritz Späh
Fraunhofer-Institut
Stuttgart
Bauen heißt hören! Veranstaltung 25.03.2025
Staudigel Akustikkompetenz
https://www.staudigel.de/de/akustikko...
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