Es läuten die fünf Glocken der katholischen Kirche St. Benedikt zu Herbern, einem Ortsteil von Ascheberg im Münsterland.
Nachdem die alte romanische Kirche während des dreißigjährigen Krieges verfallen war, wurde zwischen 1663 und 1666 die heutige dreischiffige Hallenkirche unter Einbeziehung des alten romanischen Turmes errichtet. Das Kirchenschiff besitzt eine spätgotische Erscheinungsform gemischt mit Renaissanceelementen (1).
Bis zum ersten Weltkrieg erklangen vom Turm drei Läuteglocken (und eine Uhrschlagglocke) aus dem 18. Jahrhundert, von denen die älteste und mittlere von 1722 stammte und eine Schenkung des Adelssitzes Haus Itlingen war. Sie besaß einen Durchmesser von 1040 mm und trug Wappen sowie eine Inschrift an der Schulter (2, 3).
Als Ersatz für die schadhaft gewordene große und kleine Glocke wurden 1767 zwei neue Glocken angeschafft, gegossen von Christian Wilhelm Voigt und seinem Sohn Ruttger Voigt. Die größte von ihnen besaß einen Durchmesser von 1170 mm. Die kleine wurde 1835 durch eine neue ersetzt, welche von Petrus Boitel und Dübois gegossen worden war und einen Durchmesser von 940 mm aufwies (4).
Im September 1918 musste eine Läuteglocke - die Barbaraglocke - und die Uhrschlagglocke zu Kriegszwecken abgenommen werden. Die beiden verbliebenen Glocken mit den Tönen es' und f' waren schadhaft, sodass sich die Gemeinde in der Inflationszeit nach dem Krieg dazu entschied, vier neue Glocken anzuschaffen. Sie wurden bei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen und im August 1922 nach Herbern geliefert. Da die Barbaraglocke nicht eingeschmolzen worden war, kehrte sie nach Herbern zurück und wurde wieder im Turm aufgehängt (4).
1925 erfolgte die Elektrifizierung des Geläutes (5)
Während des zweiten Weltkrieges mussten 1942 alle Glocken, bis auf die kleine Benediktusglocke abgeliefert werden. Nach dem Krieg wurden 1948 fünf neue Glocken bei der Glockengießerei Junker in Brilon gegossen - finanziert durch Lebensmittel wie Schinken und Speck - und am 1. Mai desselben Jahres feierlich geweiht (5, 6).
Die Glocken sind in der Ersatzlegierung Sonderbronze gegossen, bestehend aus einer Kupfer-Silizium-Mischung. Die verschonte Benediktusglocke passte klanglich nicht mehr zu den neuen Glocken und wurde bei der Firma Junker eingeschmolzen (7).
Die St.-Joseph-Glocke (Glocke 3) trägt die gleiche Inschrift wie die gleichnamige Glocke der Kirche St. Christophorus im einige Kilometer entfernt gelegenen Ort Werne, die ebenfalls 1948 gegossen worden ist (8).
Glocke 4 (St.-Benedictus-Glocke) wurde vom Graf und der Gräfin Merveldt auf Westerwinkel gestiftet (8).
Die große Glocke (Glocke 1) erklingt zusammen mit den anderen Glocken nur zu Hochfesten und solistisch zum Tod eines Papstes, eines Diözesanbischofs, eines Ortsgeistlichen und beim Gedenken der Toten an Allerheiligen. Auf ihr werden außerdem die Angelusschläge ausgeführt. Glocke 2 wird zum Gedenken der Toten und zum Requiem geläutet. Außerdem dient sie dem Stundenschlag. Auf Glocke 4 erfolgen die Viertelstundenschläge. Sie läutet zu normalen Werktagsmessen. Glocke 5 dient solistisch als Angelusglocke (8).
Die Glocken hängen in einem Stahlglockenstuhl an Stahljochen. Nur die zweitkleinste Glocke St. Benedictus hängt inzwischen an einem Holzjoch.
Glockendaten (6, 8):
Glocke 1
Herz-Jesu-Glocke
Gussjahr: 1948
Gießer: A. Junker, Brilon
Durchmesser: 1560 mm
Nominal (Schlagton): c'
Glocke 2
St.-Michael-Glocke
Gussjahr: 1948
Gießer: A. Junker, Brilon
Durchmesser: 1310 mm
Nominal (Schlagton): es'
Glocke 3
St.-Josef-Glocke
Gussjahr: 1948
Gießer: A. Junker, Brilon
Durchmesser: 1150 mm
Nominal (Schlagton): f'
Glocke 4
St.-Benedictus-Glocke
Gussjahr: 1948
Gießer: A. Junker, Brilon
Durchmesser: 1030 mm
Nominal (Schlagton): g'
Glocke 5
St.-Marien-Glocke
Gussjahr: 1948
Gießer: A. Junker, Brilon
Durchmesser: 870 mm
Nominal (Schlagton): b'
Ein herzlicher Dank gilt dem Pfarrer Herrn Stefan Schürmeyer für die freundliche Erlaubnis der Aufnahme sowie dem Küster Herrn Uwe-Reiner Bochmann für das Aufschließen des Turmes und die Begleitung in die Glockenstube.
Aufnahmedatum: 25.12.2017
Verwendete Literatur und Quellen:
(1) Farwick, Josef: St. Benedikt Herbern, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg, 1. Auflage, 1997, S. 6
(2) ebd. S. 15f.
(3)Kemming, Josef und Zimmermann, Egon: Die Glocken von St. Benedikt, 2007, S. 1: http://history-st-benedikt.herbern.de... (aufgerufen am 27.12.2017)
(4) Farwick, S. 16
(5) Kemming und Zimmermann, S. 2f.
(6) Farwick, S. 18
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/St._Ben... (aufgerufen am 27.12.2017)
(8) Kemming und Zimmermann, S.3f.
Информация по комментариям в разработке