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Die Geschichte: Was er nicht überprüfte
Er erzählte, dass manche Morgen sehr ähnlich begannen. Aufwachen, ein schweres Gefühl in der Brust, Naseputzen, dann los. Ohne besonderes Ziel, einfach nur, um den Tag zu überstehen. Wenn er innehielt, fürchtete er, zu viel nachzudenken.
Es geschah vor etwa einem Jahr. Es gab keinen Moment der Erkenntnis, auf den er hätte zeigen und sagen können: „Hier ging wieder alles schief.“ Seitdem ist er sich einfach nicht mehr sicher, was real ist. Er fragt sich, ob der Alkohol ihm die Dinge erschwert oder ob seine Erinnerung die Vergangenheit umschreibt, um sie erträglicher zu machen.
Eine Sache lässt ihn nicht los. Eine ganz bestimmte Frage, technisch gesehen ganz einfach. Sie ließe sich mit nur einem Experiment lösen. Aber er ist nicht verwirrt. Er hat keine Angst vor einem guten oder schlechten Ergebnis, sondern weil er es bereits weiß, kann er nicht zu seinem jetzigen Leben zurückkehren.
Der Schmerz ist da, aber erloschen. Die Wahrheit ist ihm fremd, was auch immer sie sein mag.
Er sagte, was ihn am meisten betrübt, sei der Mangel an Beweisen. Keine Aufzeichnungen, keine Unterlagen, nichts, worauf ich mich verlassen konnte. Und Intuition ist das, was andere am leichtesten anzweifeln.
Im letzten Gespräch fragte er nicht, was ich tun sollte.
Er sagte nur:
„Vielleicht gibt es Dinge, die wir ein Leben lang mit uns tragen, nicht um sie zu entscheiden, sondern um zu lernen, mit ihnen zu leben.“
Und dann war er lange Zeit weg.
Nicht, weil mir die Worte ausgegangen wären,
sondern weil diese Geschichte nur einmal erzählt werden konnte.
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