Wann wird man schon '100'..? Für den Menschen nicht selbstverständlich - für eine Bahnstrecke auch nicht.. Am 08. Juli 2000 hatte eine solche ihren 'Ehrentag' - nämlich der Nordast der Waldviertler Schmalspurbahnen von Gmünd NÖ nach Litschau und Heidenreichstein, auf welchem am 04. Juli 1900 der erste Zug fuhr.
2000 war der planmäßige Personenverkehr auf dieser Strecke schon 14 Jahre Geschichte, und auch mit touristischen Fahrten war um die Jahrtausendwende ziemlich 'Flaute'. Der Autor nahm das Jubiläum also zum willkommenen Anlaß, diese Strecke überhaupt erstmals zu bereisen. Das geht heute immer noch im Touristikverkehr, nur ging man damals besser nach dem Motto: "Besser man hat, als man hätte".. Und es war ein schöner Tag!
Wir behandeln in diesem Video nur die Litschauer Strecke, nach Heidenreichstein fahren wir in einem gesonderten Video. Natürlich fuhr unser Jubiläumszug auch dorthin, denn die Strecken waren ja zugleich eröffnet worden.
Die Strecken kamen hauptsächlich auf Betreiben der Glasindustrie zustande, die nun in der Lage war, ihre Produkte kostengünstiger und schneller in die Welt zu versenden. Und sie brachten dem nördlichen Waldviertel Mobilität und bescheidenen Wohlstand.
Eine Verlängerung ins böhmische Nová Bystřice (Neubistritz) mit Anschluß an die dortige Schmalspurbahn nach Jindřichův Hradec (Neuhaus) war auf dem Reißbrett längst fertig, verzögerte sich in der Umsetzung aber so lange, bis der Erste Weltkrieg ausbrach und die Pläne schließlich mit dessen Ergebnissen begrub. Denn dazwischen war nun eine Grenze, dahinter die Tschechoslowakei.
Diese neue Grenze machte der Strecke auch noch an einer anderen Stelle zu schaffen, am Ausgangspunkt Gmünd direkt. Wie bereits im Text zum Groß Gerungs-Video beschrieben, wurde Gmünd mit dieser Grenze 'Geteilte Stadt', der Hauptbahnhof mit dem Ausgangspunkt der Schmalspurbahnen lag nun im Ausland. Eilig wurde am Standort des bisherigen Bahnhofs Gmünd Stadt ein neuer Bahnhof geschaffen, bis dahin wurde der Verkehr mit vertraglicher Regelung als Korridorverkehr aufrechterhalten.
War das Problem damit für die Groß Gerungser Strecke gelöst, blieb es für die Litschauer Strecke weiterhin bestehen. Denn die führte trotzdem noch bis zur Station Böhmzeil für ca 2 km über tschechoslowakisches Territotrium. Das lief vertraglich ohne nennenswerte Komplikationen bis nach den Zweiten Weltkrieg, dann wollte die Tschechoslowakei den Korridorverkehr unterbinden. Der 'Kalte Krieg' ließ schon grüßen. Es wurde nun der Bau einer Neubaustrecke auf österreichischem Gebiet am Stadtrand von Gmünd in Angriff genommen, diese ging 1950 in Betrieb und somit konnte die Korridorstrecke aufgegeben werden. Sie ist heute kaum noch auszumachen.
Über die topografisch bedingten Probleme des Personenverkehrs konnten wir schon im Video "Im Planverkehr von Groß Gerungs nach Gmünd" lesen. War es dort die Ausrichtung auf Zwettl, so waren die Gemeinden am Nordast sehr stark auf die Bezirkshauptstadt Waidhofen an der Thaya ausgerichtet. Dort mit der Bahn hinzukommen, ging aber ebenfalls nur über Gmünd und Schwarzenau, ein riesen Umweg! Der wurde in Kauf genommen, solange es keine Alternativen gab. Doch der aufkommende Kraftverkehr zog diesen nicht unwesentlichen Verkehrsstrom komplett an sich. Der Bus konnte "über die Berge und durch die Täler" fahren, da hielt die Bahn nicht mit.
Und während der Güterverkehr weiterhin rege blieb, begann der Personenverkehr zu kränkeln. Es blieb nur ein bißchen Lokalverkehr, Schülerverkehr, und einige Reisende, die in Gmünd umsteigen und größere Strecken zurücklegen wollten. Die ÖBB versuchten bald, sich dieses 'Anhängsels' zu entledigen. Ganz so schnell ging es dennoch nicht, aber zum 01. Juni 1986 kam dann das Ende für den Personenverkehr auf der Nordstrecke.
In den folgenden Jahren gab es zwar hin und wieder Sonderzüge nach Litschau, doch die meiste Zeit im Jahr fungierte sie nun als reine Güterzugstrecke. Dies war so bis zum Jubiläum 2000 und noch kurz danach.
Bereits am 10.01.2001 wurde der gesamte Güterverkehr auf dem Nordast eingestellt. Bei den ÖBB gab es zwar kein 'Mora C' wie in Deutschland, aber die Entwicklung verlief ähnlich. Viele Nebenbahnen verloren um diese Zeit ihren Restgüterverkehr und damit den Gesamtverkehr.
Es gab in den Folgejahren noch vereinzelte bestellte Sonderfahrten. 2004 traten jedoch auf den Waldviertler Schmalspurbahnen positive Veränderungen ein. Man hatte deren Tourismuspotential erkannt, gab die Strecken in die Hände einer Gesellschaft (NÖVOG), welche regelmäßigen touristischen Verkehr auf beiden Streckenästen etablierte. Nicht täglich, aber speziell im Sommer schon in gewisser Regelmäßigkeit. Das ist bis zum heutigen Tag so und erfreut sich großer Beliebtheit.
Wünschen wir den Bahnen Glück und ein langes Leben!
Und nun tauchen wir ein in den Jubiläumstrubel, nach Litschau und zurück. 'Gute Reise' im Festzug!
Daten wie stets aus Wikipedia.
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