Mercedes-Benz bereitet die Weltpremiere des VLE vor. Und bevor man statisch die Hüllen fallen lässt, dürfen immer mal wieder ein paar Journalisten noch stark getarnte Vorserienmodelle fahren. Wir durften schon mal Parken.
Sie waren schon überall mit dem VLE – fast überall. In Rom, auf Alpenpässen, in Stuttgart im Windkanal. Am Nordkap testete man die Wintereigenschaften des VLE, in Südafrika jüngst die optionalen drei(!) Klimaanlagen. Zwei sind Serie, die Dritte kann man sich hinzubuchen – sie wird aber erheblich an der Reichweite knabbern, ebenso wie wenn man im Winter schnell mal richtig schön einheizt. Vans haben viel Luftvolumen, das temperiert werden will und das temperieren kostet Strom…Aber mit all diesen Features zielt man ganz klar auf das Segment der Luxuslimousinen und so fährt sich der VLE dann auch: Wie eine große Limousine!
Sieben Grad Lenkeinschlag an der Hinterachse sind eine Welt
Woher wir das wissen? Wir durften schon ans Steuer – nur auf einem Hof, um das Parken – und nebenbei eben ein ganz kleines bisschen das Fahren zu testen. Beides klappt tatsächlich Pkw-mäßig, wobei die bis zu 7 Grad einschlagende Hinterradlenkung echt eine Empfehlung ist: Um zu zeigen, was sie kann, hat Mercedes-Benz einen Sprinter nah an einer Wand geparkt – so dass zwischen dem und dem VLE gerade noch genug Platz ist – wie in einer engen Gasse. Vor dem großen Van müssen wir dann links abbiegen und jetzt kommt einer der großen Vorteile des „kleinen“ hinterradgelenkten Vans: Man kann viel früher einlenken und würde laut der Begleitmannschaft im VLE so bis zu einem halben Meter Platz nach vorn sparen. Vor allem in Parkhäusern oder engen Gassen ist das ein Gamechanger! Die Kollegen aus Italien und Spanien prophezeihen der Hinterradlenkung deshalb eine sehr hohe Take-Rate!
Anschließend lassen wir den VLE senkrecht in eine Lücke parken, einmal vorwärts, einmal rückwärts, was er beide Male perfekt löst – mit bis zu 5 km/h, was definitiv flotter ist, als man es sich selbst trauen würde. Und weil es so schön funktioniert, machen wir es gleich noch Mal, aber: Beim Rückwärtseinparken verhaspelt der VLE sich dieses Mal etwas und steht dezent schräg in der Lücke. Warum? Weiß niemand…aber egal – präziser Schwabe, der er konstruktiv ist (gebaut wird er in Spanien), korrigiert er nach und steht dann auch dieses Mal perfekt in der Lücke.
Beim Zurückfahren der letzten 150 Meter meistert er auch kniffelige Ecken, aber…
Und dann hat er sich ja noch die letzten 150 Meter gemerkt und könnte die genauso wieder zurückfahren, wie er ankam. Auch das wollen wir testen: Also nochmal um den Sprinter gekreist, was nicht ganz easy ist und dann: Das Ganze zurück. Und siehe da, er fädelt sich perfekt in die Lücke zwischen den Lieferwagen und die Wand zurück, aaaber: Die Hinterachslenkung bleibt eine Idee zu lang eingeschlagen und wir kommen dem Sprinter mit dem Heck gefährlich nahe! So nah, dass der VLE eine harte Notbremsung macht.
Nun ja, probieren wir nochmal, leider mit gleichem Ergebnis: Auch beim zweiten Mal lenkt der VLE beim Reversieren wieder eine Idee zu lange ein – obwohl wir bei der Vorwärtsfahrt zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gelenkt haben – und kommt seinem „großen Bruder“ wieder zu nah und „notbremst“ abermals.
Der neue VLE baut größer als der Vorgänger wegen der abermals verschärften Crashnormen
Nun ja, bis zur Serieneinführung bleibt ja noch etwas Zeit – und wie so oft, ist es mal wieder die Software, die noch Unschärfen aufweist. Aber bis der VLE dann wirklich auf die engen Gassen und Parkhäuser und -plätze der Welt erobert, kriegt man die Hinterradlenkung auch noch gezügelt. Immerhin wollen 5,3 x 2,0 x 1,93 Metern mit langen 3,34 Meter Radstand! Millimetergenau platziert werden.
Und nein, mit den ausufernden Maßen ist Van-Entwicklungschef Zygan selbst nicht so ganz glücklich, aber immer strengere Sicherheitsnormen erfordern einen längeren Vorderwagen mit größerer Crashbox und mehr Breite, um den Akku seitlich zu schützen. Gutes Stichwort: Denn bevor der VLE hier was falsch macht, schützt er sich lieber per Notbremsung! Und zum VLE kommt ja noch eine Langversion, die auch die Basis des noch luxuriöseren VLS ist: Mit rund 18 cm extra Radstand und Länge und mehr Luxus innen. Auf dass die Elektronik die Lenkbewegungen der Hinterräder dann voll im Griff hat!
Was bedeutet das?
Mercedes-Benz hadert selbst mit dem crashbedingten Wachstum des VLE – und behilft sich beim Parken mit einer Hinterachslenkung und Elektronik. Was wiederum der Kompaktheit des Autos hilft – und weitgehend perfekt funktioniert. Nur beim Reversieren über die letzten 150 Meter dürfte man im Detail vielleicht noch Mal dezent nachprogrammieren.
Musik: bensound.com
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