Allen Zuschauern ein frohes Osterfest!
Die Liebfrauenkirche zu Halberstadt geht auf eine Kollegialstiftsgründung des Halberstädter Bischofs Arnulf im Jahr 1005 zurück. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche überwiegend im 12. Jahrhundert. 1810 wird das Stift aufgehoben, seit 1848 dient Liebfrauen der evangelisch-reformierten Gemeinde als Gotteshaus.
Das Geläut der Halberstädter Liebfrauenkirche ist zwar nicht besonders tief, dafür aber historisch sehr bedeutsam.
Bereits seit dem 14. Jahrhundert verfügt die Kirche über das nach dem Dom größte Geläut der Stifts- und Klosterkirchen der Stadt. Es umfasst bis in das 18. Jahrhundert 8 mittelalterliche Glocken, bis zum zweiten Weltkrieg noch 7. Die ehemals größte Glocke wird bereits im Jahr 1292 mit dem Prädikat "gloriosa" bezeichnet. Sie wird im Mai 1297 und 1496 (von Hinricus Becker aus Halberstadt) neugegossen, in dieser Form existierte sie bis 1942. Von den anderen 7 Glocken war die bis heute erhaltene Glocke von 1403 die Jüngste. In diesem Zustand verblieb das Geläut bis 1766. Während sich die größeren Glocken im Westbau befanden, war die kleinste im Dachreiter untergebracht. In genanntem Jahr wurde dieser Dachreiter ohne vorher erfolgte Benachrichtigung an das Presbyterium auf Veranlassung der preußischen Behörden zurückgebaut. Die darin befindliche Glocke wurde 1777 verkauft. Das Ensemble in den Westtürmen überstand die Aufhebung des Stifts und den folgenden Leerstand und wurde im ersten Weltkrieg wegen seines historischen Wertes in seiner Gesamtheit von der Ablieferung freigestellt.
Die größte Glocke (von 1496), erklingend in ~dis'-e' erlitt in den 1920er Jahren einen Riss und sollte für einen Neuguss eingeschmolzen werden. Der zuständige Provinzialkonservator, Hermann Giesau, konnte dem entgegenwirken, jedoch ist die im Kreuzgang abgestellte Glocke dann 1942 eingeschmolzen worden.
Der dennoch erfolgte Guss einer neuen großen Glocke sollte besonders in musikalischen Aspekten auf das restliche Geläut abgestimmt werden, das historisch gewachsen nicht für das Zusammenläuten aller verfügbaren Glocken vorgesehen war. So sollten auf besonderes Bestreben des angesehenen Campanologen Johannes Biehle die beiden nächstgrößeren Glocken klanglich angepasst werden. Der im Mittelbau befindlichen, ehem. Glocke 2 von ~1300 und erklingend wohl in einem vertieften g', Riss beim Transport nach Lauchhammer ein Kronenhenkel ab. Die ehem. Glocke 3 hing im Nordturm und erklang zwischen a' und b'. Wohl um 1200 gegossen war sie die älteste des Geläuts. Diese Glocke ging beim Probeläuten nach dem Umstimmen gänzlich Bruch und wurde für den Neuguss eingeschmolzen. Somit bestand das Hauptgeläut nach dieser Maßnahme neben dem Südturmgeläut aus folgenden drei Glocken:
1: d' - 1932 als Ersatz für die gesprungene Glocke von 1496 gegossen.
2: fis' - 1933 umgestimmte Glocke aus dem 13. Jahrhundert.
3: a' - 1933 gegossene Glocke für die nach dem Umstimmen zerbrochene Glocke von ~1200.
1942 wurden die beiden neuen Glocken sofort eingezogen und vernichtet. Gleiches geschah mit der gesprungenen, ehem. größten Glocke aus dem Kreuzgang, trotz ihres Alters. Die verliebene Glocke aus dem Mittelbau wird 1945 während der Bombardierung Halberstadts mit einem direkten Treffer in selbigen zerstört.
Die erhaltene as'-Glocke aus dem Südturm wird mit Einbau der Läutemaschine an ein gekröpftes Stahljoch gehängt und an der Kronenplatte durchbohrt. In der DDR wird der historische Glockenschatz mit der Zeit weitestgehend stillgelegt, sodass erst Ende der 1990er-Jahre das Geläut nach einer dringend nötigen Sanierung wieder in Betrieb genommen werden kann.
Als letzte Maßnahme goss 2005 die Firma Lauchhammer zum 1000-jährigen Jubiläum zu den vier erhaltenen historischen Glocken, von denen die drei kleinen früher als Stiftsgeläut dienten, eine größere, fünfte Glocke.
Ich bitte die teils sehr unruhige Kameraführung zu entschuldigen, sie ist auf die Kälte nach 2h im vollen Durchzug bei ca. 0°C zurückzuführen.
Glocke 1: g'+7, 2005, Glockengießerei Lauchhammer, Lauchhammer
645 kg, 1026 mm
Glocke 2: as'+6, 13. Jhd., unbez.
460 kg, 946 mm
Glocke 3: es''-1, 1403, unbez.
136 kg, 635 mm
Glocke 4: g''+1, 14. Jhd, unbez.
170 kg, 628 mm
Glocke 5: b''+3, 14. Jhd., unbez.
147 kg, 570 mm
Ablauf:
00:00 - Bilder der Kirche
01:10 - Glocke 5
03:15 - Glocke 4
05:30 - Glocke 3
07:55 - Glocke 2
10:45 - Glocke 1
13:20 - Vollgeläut
17:40 - Vollgeläut von außen
19:00 - Vollgeläut
Ein herzliches Dankeschön gilt Hendrik für die Organisation und Herrn Schiemann für die Erlaubnis und den freundlichen Empfang!
Quellen:
siehe angepinnter Kommentar.
Aufnahmen: Sonntag, den 29. Januar 2023 (Sonderläuten)
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