Ein klangvolles Glockenquartett erklingt vom Turm von St.Mariä Himmelfahrt in Bracht.
Die Existenz einer Kirche in Bracht ist für das Jahr 1291 bezeugt. Über den damals bestehenden Kirchenbau ist leider nichts bekannt. Im 15. Jahrhundert entstand wohl ein Neubau unter Einbeziehung älterer Bauteile. In den darauffolgenden Jahrhunderten folgten nur geringe bauliche Veränderungen am Gotteshaus. So wurde 1789 das mittlere Chorfenster beim Einbau eines aus dem ehemaligen Dülkener Kreuzherrenkloster stammenden Hochaltar zugemauert. Bei einem Erdbeben im Februar 1828 entwickelten sich Risse im Turm, die nur notdürftig geflickt wurden. Am 9. Juni 1830 stürzte dieser schließlich fast vollständig ein und beschädigte das Kirchenschiff erheblich. Als kurz darauf mit den Abbrucharbeiten der Turmreste begonnen wurde, stürzte der noch verbliebene Rest auf ein Haus am Kirchhof und beförderte dadurch drei Menschen ins Jenseits. Im April des Jahres 1831 begann man mit dem Neubau des Turmes und dem Wiederaufbau der Kirche, der 1832 abgeschlossen werden konnte. Zwischen 1865 und 1868 erfolgte eine Erhöhung des Turms nach Plänen von Friedrich Wilhelm Lange. Die beiden Sakristeien sowie die Taufkapelle sind Anbauten aus den 1930er- bzw. 1950er-Jahren. Von der historischen Ausstattung sind durch den Turmeinsturz im Jahr 1830 nur noch wenige Stücke übrig geblieben. Darunter befinden sich der weiter oben erwähnte Hochaltar des ehemaligen Kreuzherrenklosters in Dülken aus der Zeit um 1740, die beiden Seitenaltäre aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie eine Figur der thronenden Madonna mit dem Kind aus der Zeit um 1320 und ein lebensgroßes Kruzifix aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. Die zweimanualige Orgel von Paul Müller aus Reifferscheid wurde 1832 erbaut. Das in den darauffolgenden Jahrzehnten teils stark veränderte Instrument ist zuletzt zwischen 2011 und 2017 durch Andreas J. Schiegnitz aus Albsheim restauriert und erweitert worden. Die Orgel besitzt nun 22 Register, welche teilweise geteilte Schleifen in den beiden Manualwerken aufweisen.
Die Geschichte der Brachter Glocken lässt sich, zumindest schriftlich, bis in das Jahr 1566 zurückverfolgen. In diesem Jahr stifteten vier Bürger eine neue Glocke, welche der gesamten Gemeinde dienlich sein sollte. Vermutlich ist diese Glocke, zu der keine näheren Informationen bekannt sind, im Jahr 1647 durch Pieter Hemony umgegossen worden. Zur zweiten, damals noch vorhandenen Glocke ist bekannt, dass diese durch den Glockengießer Petrus von Sittard gegossen wurde. Sie entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts. Beim Läuten zu einer Beerdigung im Jahr 1734 erlitt die Glocke einen irreparablen Schaden. Zwei Jahre später wurde sie durch Christian Wilhelm Voigt in Dremmen in größerer Form umgegossen und am 11. November 1736 geweiht. Die Freude über diese Glocke währte nur kurz, da sie 1762, wieder aufgrund eines Risses, durch Alexius und Petrus Petit auf der Burg De Donck bei Aarle-Rixtel in den Niederlanden umgegossen wurde. Diese beiden Glocken sind beim Turmeinsturz zerstört worden. 1846 goss François Alexandre Gaulard aus dem belgischen Tongeren auf dem damaligen Friedhof drei neue Glocken. Eine vierte, wesentlich kleinere und dem hl. Donatus geweihte Glocke ist noch zusätzlich aus dem Lagerbestand des Gießers gekauft worden. Im Ersten Weltkrieg sind schließlich drei Glocken eingeschmolzen worden. Lediglich die zweitgrößte Glocke des alten Geläutes blieb erhalten. Im März des Jahres 1926 entstanden bei der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher drei neue Glocken, die noch im gleichen Monat geweiht und nicht einmal 20 Jahre später ein Opfer des Zweiten Weltkrieges wurden. Die Beschaffung des heutigen Geläutes wurde über Dachziegellieferungen der Brachter Ziegeleien finanziert. Hierbei wurde leider auch die verbliebene Glocke von 1846 in Zahlung gegeben und eingeschmolzen. In diesem Zusammenhang ersetzte man auch den alten Holzglockenstuhl durch einen neuen aus Stahl. Das in schweren Rippen gegossene Geläut ist, vor allem in Anbetracht seines Entstehungsjahres, ein besonders klangvolles Zeugnis der Glockengießkunst der Firma Otto im Rheinland.
Im Dachreiter über dem Chor hängt noch ein ungenutztes Glöckchen, welches jedoch nicht zugänglich ist.
Marienglocke, Schlagton es'-1, Gewicht ca. 1.680 kg, Durchmesser 1326 mm, gegossen im Jahre 1949 von der Glockengießerei F. Otto in Bremen-Hemelingen.
Johannesglocke, Schlagton f'-1, Gewicht ca. 1.190 kg, Durchmesser 1178 mm, gegossen im Jahre 1949 von der Glockengießerei F. Otto in Bremen-Hemelingen.
Ludgerusglocke, Schlagton g'±0, Gewicht ca. 850 kg, Durchmesser 1052 mm, gegossen im Jahre 1949 von der Glockengießerei F. Otto in Bremen-Hemelingen.
Lambertusglocke, Schlagton as'-1, Gewicht ca. 710 kg, Durchmesser 993 mm, gegossen im Jahre 1949 von der Glockengießerei F. Otto in Bremen-Hemelingen.
Ein herzlicher Dank gilt Herrn Kaumanns vom Kirchenvorstand für die Ermöglichung der Aufnahme!
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