Wenn man irgendwann 'gefühlt' zum Team gehört... So ähnlich konnte der Autor sich in den Jahren 1999 und 2000 bezogen auf die Zugabfertigung Schwarzenau fühlen. Durch unzählige Telefonate mit dem Zweck, einen passenden Termin für eine Mitfahrt nach Raabs herauszufinden, war er dort bald bestens bekannt und wurde mit dem gewissen "vielsagenden Schmunzeln" am Telefon begrüßt. Gäbe es einen Preis für das 'nutzloseste Team-Mitglied', er hätte ihn bekommnen.. 😂
Nun - die Hartnäckigkeit hatte irgendwann ihren Erfolg, und er konnte seinen Ohren kaum glauben, als eines Tages die Antwort kam: "Ja, am 04. Dezember fahren wir nach Raabs". Nur Streckensammler "aus Leidenschaft" können dieses Gefühl nachvollziehen! Es gibt so "Sehnsuchtsstrecken" ... Göpfritz - Raabs war eine solche für den Autor!
Diese kleine Geschichte sagt schon aus, wie es in den letzten Jahren um den Verkehr auf der Strecke bestellt war - wochenlang nichts, und dann plötzlich mal wieder ein richtiger Zug zu fahren. Kartoffeln, Getreide, das waren so die Hauptgüter. Wenn sie mal anfielen..
Wikipedia, woraus der Autor dankenswerterweise eine Vielzahl seiner verwendeten Daten bezieht, irrt aber im konkreten Fall leider bezüglich des Termins der letzten Bedienung. Da wird der 27.09.2000 genannt. Wir sind aber definitiv am 04.12.2000 gefahren! Und damit waren wir auch noch nicht der letzte Zug, denn die Wagen, die wir zustellten, wurden ja auch mal wieder abgeholt.
Die Strecke konnte noch ihren 100. Geburtstag "in aller Stille" begehen, von Feierlichkeiten ist dem Autor nichts bekannt. Am 15.10.1900 erreichte der erste Zug Raabs, nachdem bereits 5 Jahre zuvor der Verkehr bis Groß Siegharts eröffnet worden war. Eine Verlängerung über Drosendorf nach Znaim (Znojmo) war bereits auf dem Reißbrett fertig und auch konzessioniert, jedoch verzögerte sich der Beginn der Arbeiten so lange, bis der Erste Weltkrieg alle Pläne zunichte machte. Somit blieb Raabs immer Endpunkt der Strecke.
Die Strecke ist topographisch recht anspruchsvoll, vor allem in Nord - Süd-Richtung hatten die Loks gehört was zu leisten. Während sie von Göpfritz bis Groß Siegharts meist flach über die Hochfläche des Waldviertels verläuft, schließt sich dann ein 1 : 40-Gefälle hinunter ins Tal des Sieghartser Baches an. Erneut geht es über eine kleine Anhöhe, und ab dem Haltepunkt Pfaffenschlag-Aigen geht es dann nicht mehr ganz so steil, aber konstant abwärts ins Thayatal nach Raabs. Dabei erreicht die Trasse die Burgstadt über ein kleines Seitental der Thaya, hoch über der Stadt mit einem wunderbaren Ausblick auf diese. Der Bahnhof konnte aufgrund der topographischen Gegebenheiten erst hinter dem Stadtzentrum und in beträchlicher Höhe über dem Thayatal angelegt werden, was für die Reisenden einen ca 500 m langen Fußweg hinunter in die Stadt zur Folge hatte.
Dieser Umstand, zusammen mit den (außer Groß Siegharts) weit abseits der Orte gelegenen Haltepunkten unterwegs, hielt den Reiseverkehr der Strecke immer auf 'Sparflamme'. Stets wurden etwa die Hälfte der Züge als GmP geführt, mit entsprechend längeren Fahrzeiten. Dazu kam, wie wir das schon von den Waldviertler Schmalspurbahnen kennen, die "quer zum Hauptverkehrsstrom" gelegene Richtung der Strecke. Auch hier gab es eine deutliche Ausrichtung in die Bezirksstadt Waidhofen an der Thaya, die aber per Bahn nur mit zweimaligem Umsteigen in Göpfritz und Schwarzenau erreichbar war. Der aufkommende Kraftverkehr zog diesen Verkehrsstrom alsbald vollständig an sich, da er in der Lage war, diesen Umweg komplett einzusparen.
Dagegen sorgten die Lagerhäuser in Groß Siegharts und Raabs, der Kartoffeltransport und die wie überall anfallenden üblichen Empfangsgüter Kohle, Baustoffe, Düngemittel etc. für stets auskömmlichen Güterverkehr. So überlebte dieser auch den Reiseverkehr um fast 15 Jahre, fuhr aber ab den 1990er Jahren immer mehr 'in den Keller'. Der Run auf die Straße in dieser Zeit war ein europa-, ja vielleicht weltweites Phänomen, das damals keiner stoppen konnte - und dem 'Zeitgeist' dieser Jahre entsprechend auch gar nicht stoppen wollte! So blieben, wie eingangs kurz erwähnt, bald nur noch die Bedienungen der Lagerhäuser und der saisonale Kartoffelverkehr übrig, welcher in oft weit auseinander liegenden Intervallen erfolgte. Das führte dazu, daß die Strecke in den letzten Jahren manchmal wochenlang keinen Zug sah.
Der Reiseverkehr endete, zusammen mit einer Menge anderer österreichischer Nebenbahnen, am 28.09.1986. In diesem Jahr - wir behandelten es in den entsprechenden Videos - traf dies auch die nördliche Thayatalbahn und den Nordast der Waldviertler Schmalspurbahnen, sowie die Martinsberger Strecke. Ein großer Kahlschlag im gesamten Waldviertel!
Auf das schleichende Ende des Güterverkehrs gingen wir schon am Anfang ein. Heute ist ein Großteil der Trasse in den 'Thayarunde-Radweg' integriert, die Bahnhofsgebäude sind abgerissen...
Gute Fahrt nun nach Raabs, eine unwiederbringliche Reise!
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